Die Lok machte am 17. Spieltag Halt zum Auswärtsspiel in Eisenach, gastgebender Verein war der FSV Eintracht Eisenach. Die Eisenacher stehen aktuell an der Tabellenspitze mit 39 Punkten, 4 Punkte vor unseren Nachbarn aus Herda, welche aber noch 2 Spiele weniger absolviert haben. Weiterhin war es das Aufeinandertreffen der besten Offensive der Liga gegen eine der besten Defensiven, es sollte also ein Gratmesser und Standortbestimmung des momentanen Leistungsniveaus werden.
Schon vor dem Anpfiff musste man sich die Augen reiben, denn es war Max Golle, der über viele Jahre eine Reihe weiter vorne als Verteidiger agierte, der sich das Torwarttrikot übergestreift hatte und sich im Tor warm schießen ließ. Kurzfristig mussten Meister und Hasler am Vormittag gesundheitsbedingt absagen, also übernahm Golle die Aufgabe zwischen den Pfosten und für die Offensive konnte man sich u. a. wieder auf Göricke als Backup verlassen.
Nach dem Anpfiff konnte man gleich sehen, dass sich die Lok an diesem Tag was vorgenommen hatte, die Jungs gingen direkt vorne drauf und pressten offensiv, sodass sie sich gleich mehrere Ballgewinne erarbeiten konnten. Das erste offensive Zeichen unserer Mannschaft dann nach 9 gespielten Minuten: Nach Flanke von rechts durch Kehr drückte Hartig den Ball in der Mitte über die Linie, jedoch stand Hartig bei der Abnahme klar im Abseits und das Tor zählte nicht. Weitere offensive Akzente des ESV endeten immer wieder in den Abwehrreihen der Gegner, zwingende Abschlüsse waren noch Mangelware.
Nach 17. Min. meldeten sich dann die Gastgeber das erste Mal offensiv an, nach einem hohen Ball vor den Strafraum, verlängerte ein Eisenacher Spieler den Ball von der Strafraumkante mit dem Kopf Richtung Tor, der Ball flog in hohem Bogen Richtung langes Eck, jedoch glücklicherweise für uns am Pfosten vorbei ins aus. Zwei Minuten später der nächste Eisenacher Vorstoß über rechts in den 16 er, dieses Mal konnte sich Golle das erste Mal auszeichnen, er kam raus, verkürzte das Eck und konnte den versuchten Chip-Ball Richtung langes Eck mit dem Körper klären. Es war nun spürbar, dass die Eisenacher jetzt etwas besser ins Rollen kamen und diese belohnten sich kurz darauf in der 23. Min. auch mit dem Führungstreffer. Ein flacher Ball durch die Mitte hebelte unsere Abwehrreihe aus, im Laufduell mit einem Verteidiger blieb Stolze cool, nahm den aufsetzenden Ball an der Strafraumkante direkt mit dem ersten Kontakt und überspielte den herauseilenden Golle mit einem Heber direkt ins Tor. Jetzt hieß es einmal kurz Mund abputzen und weiter, unsere Mannschaft blieb unbeeindruckt von dem Gegentreffer und arbeitete weiter nach vorne und belohnte sich sieben Minuten nach dem Führungstreffer mit dem Ausgleich. Einen fälligen Freistoß rechts vor dem Eisenacher Strafraum brachte Kehr gefühlvoll Richtung linkes Fünfereck, der einlaufende Berge ging volles Risiko und nahm den Ball volley und nagelte ihn zentral an die Unterkante der Latte, von dort sprang der Ball nach unten und beim Wieder-nach-oben-springen fand dieser sich im Netz direkt hinter der Latte wieder, Wembley-Diskussionen waren an der Stelle überflüssig. Die schnelle Antwort auf die Führung war gefunden und die Lok machte unter Volldampf weiter und wollte noch vor der Halbzeit die Führung. Einmal war es Zarschler, der stark den Ball gegen 3 Gegenspieler behauptete, in den 16er zog und dann den Ball knapp am langen Pfosten vorbei setzte. Dann war es Kehr, der mit dem Rücken zum Tor zentral vor dem Eisenacher Strafraum den Ball behauptete, sich drehte und das linke untere Eck anvisierte. Der Eisenacher Keeper konnte den Ball parieren, jedoch ließ er ihn seitlich nach vorne prallen, Hartig setzte nach, wollte den noch am Boden liegenden Keeper überchippen, ein sicher geglaubtes Tor, doch der Ball trudelte rechts am Pfosten vorbei, danach bittete der Schiedsrichter zum Pausentee.
Nach der Halbzeit kam Eisenach mit Schwung aus der Kabine. Einen Vorstoß über rechts mit flacher Hereingabe direkt vor das Tor konnte der relativ freie Eisenacher Offensive nicht im Tor unterbringen, er traf den Ball nicht richtig und der ging am rechten Pfosten vorbei ins Toraus. In der 49. Min. kam dann Göricke für den bereits in der ersten Halbzeit angeschlagenen Berge, Göricke ging auf die rechte Außenbahn, Roßbach rückte für Berge in die Viererkette. Dann probierten es die Eisenacher wieder über rechts. Eine flache Hereingabe in den Rückraum führte zum Abschluss, Golle konnte aber abtauchen und den Ball um den Pfosten lenken. Die resultierende Ecke wurde dann auch gleich gefährlich, da diese einen Eisenacher Kopf fand und der Ball an die Latte klatschte. Danach stellte Eisenach seine Offensivbemühungen weitestgehend ein und der ESV konnte sich wieder offensiv anmelden. Diesmal war es Roßbach, der nach einem Freistoßabpraller in die Mitte, den Eisenacher Keeper mit einem Flachschuss aufs linke untere Eck testete. Kurz darauf ein Musterspielzug wie aus einer Trainigseinheit, Göricke eroberte zentral im Mittelfeld den Ball, legte ihn dann rechts raus auf den mitgelaufenen Henning, der marschierte auf der Außenbahn Richtung Strafraumkante und brachte dann eine scharfe, flache Hereingabe auf den langen Pfosten wo Zarschler mit langem Bein den Ball um Haaresbreite verpasste. Der Spielzug hätte ein Torverdient gehabt. In der 64. Minute kam dann Seidl für den angeschlagenen Henning, welcher sich bei einem Zweikampf verletzte. Kurz darauf gab es die nächste gute Chance für unsere Reihen. Der sehr agile Kehr machte eine flache Hereingabe von außen im Strafraum fest, drehte sich, und verfehlte das Tor knapp unten links. Der ESV setzte immer wieder offensive Nadelstiche, welche aber nicht zum Erfolg führten, Eisenach fiel offensiv nichts mehr ein. Auch der mit 20 Treffern Führende in der Torschützenliste der Kreisliga Staffel 2, Nils Römer, rieb sich vorne auf, wurde aber von unserer Defensive nicht aus den Augen gelassen und konnte dem Spiel nicht seinen Stempel aufdrücken.
In den letzten 20 Spielminuten spielte sich das Geschehen hauptsächlich zwischen beiden Strafräumen ab, zwingende Chancen kamen in dieser Spielphase nicht zustande und es kam immer wieder zu kleinen Nicklichkeiten und Freistößen im Mittelfeld. So langsam wollte man sich schon auf ein Unentschieden einstellen, dann ergab sich für Kehr noch einmal eine gute Chance nach Golle-Abschlag. Der Ball wurde länger und länger, Kehr erlief sich den Ball im Laufduell mit einem Eisenacher Verteidiger und fackelte rechts im Strafraum nicht lange und setzte einen strammen Schuss Richtung langes Eck ab, jedoch war der Eisenacher Torhüter Höhne zur Stelle und wehrte den Schuss mit einer starken Fußabwehr ab. Mittlerweile war die Nachspielzeit angebrochen und Fleischer sollte noch zu einem Kurzeinsatz für Patz kommen. Zu diesem Zeitpunkt waren gefühlt beide Seiten mit dem Unentschieden zufrieden und dachten wahrscheinlich schon an die restliche Wochenendgestaltung.
Doch irgendwie konnten die Spieler beider Seiten diese Gedanken anscheinend nicht teilen und wollten noch was für den Blutdruck aller Anwesenden tun. Die aufgerückten Eisenacher wurden mit einem diagonalen Flachpass unserer Mannschaft durchs Mittelfeld überrascht und plötzlich lief Hartig, verfolgt von einem Eisenacher Spieler alleine aufs Tor zu, umkurvte rechts den Eisenacher Keeper und wollte dann von außen ins verwaiste Tor einschieben. Jedoch wollte der besagte mitgelaufene Eisenacher Spieler den Partycrasher spielen und klärte den Schuss mit einer Grätsche nach außen, Hartig schaltete sofort und flankte den Ball auf den langen Pfosten wo der aufgerückte Fleischer zum Flugkopfball ansetzte. Der Ball, als Aufsetzer geköpft, sprang Richtung Tor und am Spielfeldrand brachen schon Jubelarien aus, doch plötzlich ein Pfiff des Schiedsrichters. Draußen schauten sich alle ungläubig an und wussten nicht was los ist. Vom Handzeichen des Schiedsrichters, welcher Richtung Tor zeigte, konnte man erahnen, dass er anscheinend Elfmeter geben wollte. Dann konnte man einigen Eisenacher Spielern das Entsetzen ansehen und sie schlugen die Hände über dem Kopf zusammen. Was von draußen nicht ersichtlich war: Ein Eisenacher Spieler, der in der Situation mit zurückgeeilt war, ergriff im wahrsten Sinne des Wortes die Initiative und wischte den ins Tor springenden Ball mit der Hand wieder raus. Nach Aussage unserer Spieler und auch von Eisenacher Spielern nach dem Spiel war der Ball bereits im Tor. Ein Vorwurf Richtung Schiedsrichter kann man hier nicht machen, weil er das aus seiner Position nicht sehen und beurteilen konnte. Jedoch bleibt die Bestrafung des händischen Übeltäters eine Kuriosität, denn der ansonsten souverän leitende Schiedsrichter gab nur eine gelbe Karte und den folgenden Strafstoß. Da ein Drama natürlich nicht nach einem Akt zu Ende sein kann, war das noch nicht die ganze Schlusspointe. Dem fälligen Strafstoß nahm sich Kehr an, welcher ein super Spiel machte und als Dreh- und Angelpunkt in der Offensive überzeugte, er hatte die Chance sich an dieser Stelle für seine gezeigte Leistung zu belohnen. Doch leider fehlte ihm heute in seinen Abschlüssen immer das letzte Quäntchen Glück und so war es dann auch mit dem Strafstoß. Er suchte sich die linke untere Ecke aus und der gut aufgelegte Höhne ahnte die Ecke und konnte den Ball zur Seite abwehren. Die Situation war in diesem Moment aber nicht abschließend geklärt, unsere Mannschaft setzte nach und konnte den Abpraller direkt wieder in die Mitte bringen, der einstartende und komplett blanke Seidl hatte jedoch keine Chance den Ball zu verarbeiten, die Mischung aus Flanke und Schuss ging vor ihm an die Latte und prallte nach außen weg, dann wurde der Ball geklärt und es ertönte der Schlusspfiff. Am Ende konnte man sehen, wie nah Freud und Leid beieinander liegen, der ESV hätte sich mit drei Punkten gegen den Tabellenführer belohnen können und dieser war froh über den einen Punkt. Trotzdem war es eine der bisher besten Saisonleistungen, die der ESV auf den Rasen gebracht hat. Man ist geschlossen als Mannschaft aufgetreten, hat sich spielerisch und kämpferisch sehr gut verkauft, hat auch nach einem Rückschlag den Kopf oben behalten und hat sich sein Tor sowie weitere Chancen erarbeitet.
Als nächstes ist am Sonntag, den 29.03, die SG FSV Diedorf/Rhön bei uns im heimischen Werra-Stadion zu Gast. Anstoß nach Zeitumstellung ist 15:00 Uhr.
Kommt vorbei und unterstützt unsere Jungs! Bis dahin eine schöne Woche und nur der ESV!
Torfolge:
1:0 (23.) M. Stolze
1:1 (30.) R. Berge
Zuschauer: 65
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